Sharp Practice: Raumverteidigung

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Heyhey, frohes neues Jahr. Wir sind zurück mit einer Partie Sharp Practice!

Die erste Partie SP2 seit einem Jahr; ich hab das 2024 und 2025 nicht oft gespielt. Vielleicht können wir das 2026 ändern, denn SP2 ist ein wirklich schönes Spiel. Cpt.Shandy kam vorbei, wir spielten wieder mit meinen 28-mm-Figuren, und wieder lautete das Thema „irgendwo in Polen 1809…“. Eine Einführung in den Konflikt und so weiter findet ihr in diesem Artikel hier.

 

Das Szenario

Da ich kein Szenario-Genie wie Cpt.Shandy bin, haben wir uns einfach für das Szenario „Defense in Depth“ aus dem Regelbuch entschieden. Er hat es schon in verschiedenen Varianten gespielt, und ich habe einfach seinen Tisch nachgebaut. Das Szenario entspricht weitgehend dem im Regelbuch, außer dass wir die Unterstützungspunkte auf 3 Punkte pro Seite begrenzt haben (was eher durch meine Sammlung bedingt war) und das Tischlayout dem klassischen „Rearguard Action” von Charles S. Grant aus Battlegames Magazine, Ausgabe 12 (hier erhältlich!) folgt.

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Blau: Primäre und sekundäre Aufstellungspunkte für das Herzogtum Warschau Rot: Primäre und sekundäre Aufstellungspunkte für Österreich; der primäre Aufstellungspunkt Österreichs ist das Hauptziel.

15. April 1809 – Österreichische Truppen eroberten eine Brücke über einen der vielen Nebenarme der Weichsel. Eine kleine Garnison aus Infanteristen des IR 24 (Strauch) und des Militär-Grenz-Regiments Nr. 14 (Szekler Nr. 1) wurde zurückgelassen, um die Flussüberquerung zu schützen. Fast unmittelbar nachdem der Hauptteil der österreichischen Streitkräfte weitergezogen war, startete ein kleines Kontingent der Truppen des Herzogtums Warschau einen Gegenangriff.

 

Jede Seite erhält einen primären und einen sekundären Aufstellungspunkt; das Ziel der Streitkräfte des Herzogtums Warschau ist es, den primären Aufstellungspunkt der Österreicher im südlichen Gebäude einzunehmen.

 

Die Streitkräfte

Österreich (gespielt von mir)sharp practice tabletop

3 x Linieninfanterie, angeführt von Hauptmann Johann Ströck (Status III)

2 x Linieninfanterie, angeführt von Oberleutnant Heinrich Anker (Status II)

1 x Grenzer-Plänkler, angeführt von Unterleutnant Anton Mann (Status I)

1 x Grenzer-Plänkler, angeführt von Feldwebel Joseph Brot (Status I)

Truppenmoral: 9

 

 

 

 

Herzogtum Warschau (gespielt von Cpt.Shandy)sharp practice tabletop

2 x Linieninfanterie, angeführt von Porucznik Andreas Zoszinski (Status III)

2x Linieninfanterie, angeführt von Podporucznika Roznicki (Status II)

1x Voltigeurs-Plänkler, angeführt von Sierzant Abramovicz (Status I)

1x Voltigeurs-Plänkler, angeführt von Kapral Pankowski (Status I)

1x Chasseurs á Cheval, angeführt von Sierzant Kónski (Status I)

Truppenmoral: 11

 

 

Das Spiel

Das Spiel beginnt damit, dass polnische Voltigeure auf beiden Seiten des Flusses das Spielfeld betreten. Ich reagiere darauf, indem ich eine Gruppe meiner eigenen GrenzerPlänkler aufstelle und versuche, den polnischen Plänklern so viel Schaden wie möglich zuzufügen, solange sie sich noch im Offenen befinden. Vor allem möchte ich verhindern, dass sie es ins Gebäude schaffen und dann unmöglich sind rauszukriegen.

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Um dies zu erreichen, gehe ich aufs Ganze und setze auch die zweite Gruppe von Grenzern ein.

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Ohne große Auswirkungen auf die feindlichen Plänkler. Zwei Dinge, die ich dabei nicht bedacht hatte; beide haben mich dann flott in den Hintern gebissen:

.) Die Plänkler auf der anderen Flussseite rücken in die Obstgärten vor und beginnen, die Flanke meiner Grenzer zu beschießen. Unterleutnant Mann wird verwundet, sein Status sinkt auf null.

.) Die feindlichen Plänkler in dieser weiten, offenen Ebene abzufangen ist super, aber eine weite, offene Ebene ist auch Kavallerieland…

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„Powodzenia myśliwego!

Zwischen dem Kreuzfeuer und der herannahenden Kavallerie beschließen die Grenzer, die Flucht zu ergreifen! Der verwundete Unterleutnant Mann wird von seinen Männern über die Brücke getragen. Feldwebel Brot befiehlt seiner Gruppe, sich in das nahegelegene Gebäude zu begeben, …

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was einige Probleme mit sich bringt, da alle Männer gleichzeitig versuchen, durch die Tür zu rennen. In drei weiteren Phasen schaffen es die Grenzer langsam, sich in das Gebäude zu drängen, während sie von den polnischen Voltigeuren unter Beschuss genommen werden.

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Manns Grenzer stürmen über die Brücke und versuchen, im Gebäude Schutz zu suchen. Polnische Chasseurs sind ihnen dicht auf den Fersen.

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Während sich die Plänkler und die leichte Kavallerie jenseits des Flusses bekämpfen, rückt Cpt.Shandy mit seiner Hauptstreitmacht entlang der Straße auf das Ziel vor.

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Sie eilen in offener Kolonne vorwärts. Als Reaktion darauf lasse ich Oberleutnant Anker die Männer in einer großen Infanterie-Linie antreten. Zuletz tritt der Befehlshaber der Truppe, Hauptmann Johann Karl Franz von Ströck, aus seinem Feldhauptquartier heraus – und knöcheltief in etwas Schreckliches. Ein Anschlag lokaler Partisanen! Die haben ihm was auf die Türschwelle geschaufelt!

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Ströcks Status wird auf 2 reduziert, bis er Wasser findet, um sich zu reinigen. Blöd, denn für sowas ist keine Zeit. Der Feind rückt an!

Zu diesem Zeitpunkt haben beide Seiten alle ihre Truppen eingesetzt; hier ein Überblick:sharp practice tabletop

An diesem Punkt sieht es für die Österreicher etwas brenzlig aus – die Grenzer sind alle in Gebäude zurückgedngt worden und in keinem guten Zustand. Die polnischen Plänkler sind gßtenteils auf der anderen Seite des Flusses festgestzt, aber die Gruppe auf der westlichen Seite kann nach Belieben operieren. Die große österreichische Linie ist vollständig aufgestellt, aber die polnische Kolonne befindet sich gerade außerhalb ihres Feuerbereichs. Auf der rechten Flanke steht die feindliche Kavallerie kurz davor, den Fluss zu überqueren. Vielleicht können die Grenzer im Haus genug Schaden anrichten, um sie vom Durchbruch abzuhalten.

Der polnische Befehlshaber Zoszinski weist seine Männer an, die Musketen erst garnicht vorzubereiten, sondern gleich mit Bajonetten ranzugehen. In für Habsburger untypischer Geschwindigkeit teilt der österreichische Befehlshaber die Linie jedoch in zwei Teile. Drei Gruppen bleiben in Formation, drehen sich nach vorne und schaffen es, zwei geordnete Salven auf den herannahenden Feind abzufeuern.

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Oberleutnant Anker, der das Kommando über die beiden anderen Infanteriegruppen hat, befiehlt der ersten, das Feuer auf die feindlichen Chasseurs zu eröffnen, sobald sie in Sichtweite sind, und führt dann die andere Gruppe an, um die polnischen Voltigeurs zu vertreiben. Diese versuchen, dem Kampf auszuweichen, aber die Österreicher holen sie ein und versetzen ihnen eine Tracht Prügel.

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Sobald die Linieninfanterie zu schießen beginnt, werden die Optionen schlagartig weniger und weichen der Schadensbegrenzung. Die hintere Hälfte der polnischen Kolonne bleibt zurück, während die beiden vordersten Gruppen die österreichische Linie angreifen.

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Es kommt zum heftigen Getümmel und um die Fahne des 8.Infanterieregiments des Herzogtums Warschau. Trotz einiger angesammelter Schockpunkte und des Todes ihres Befehlshabers durchbricht die polnische Infanterie die österreichische Linie. Hauptmann Ströck wird zusammen mit seiner schwer angeschlagenen Gruppe weit zurückgedrängt. Die österreichische Linie bröckelt.

Zufälliges Ereignis! Völlig unbeeindruckt vom Verlust ihres Kommandanten bricht die Infanterie, angeführt von der Fahnenabordnung, in Gesang aus und stürmt weiter!

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Verstreute österreichische Linientruppen versuchen, eine Verteidigung aufzubauen, aber ohne Anführer und zahlenmäßig unterlegen sieht es düster aus.

Auf der anderen Flanke gelingt es den abgetrennten österreichischen Infanteriegruppen, die feindlichen Voltigeurs weitgehend zu neutralisieren und die Chasseurs mit gezielten Musketenschüssen in die Flucht zu schlagen.

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Die Chasseurs suchen ihr Heil in der Flucht und düsen quer über den Fluss!

Die verbliebene österreichische Infanterie entlang der Straße hält gerade so lange durch, bis eine Gruppe zurückkehrt und im Gebäude mit dem Szenarioziel Stellung bezieht.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Moral beider Seiten erheblich gesunken. Sie liegt bei 3 (Herzogtum Warschau) bzw. 2 (Österreicher).

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Da die Kommandeure beider Seiten aus dem Spiel sind (effektiv respektive dauerhaft), sind die beiden Stellvertreter auf beiden Seiten nun die einzigen noch anwesenden Anführer. Es ist an der Zeit, dass sie das Kommando übernehmen. Podporucznika Roznicki und seine beiden Gruppen schaffen es, die letzten österreichischen Verteidiger außerhalb des Geudes zu zerstreuen und wenden sich nun dem Ziel zu. Da kommt Oberleutnant Anker über die Straße gerannt! Er hat seine Gruppe zurückgelassen, die die verbliebenen feindlichen Voltigeurs in Schach zu halten, und macht sich nun solo auf den Weg zum Ziel, um die letzte Verteidigung zu organisieren.

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Roznicki erwägtkurz, den einsamen Offizier zu schnappen, wendet sich dann aber stattdessen dem Ziel zu.

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Der Ansturm brandet gegen das Holzhaus, doch die Verteidiger halten stand. Gerade so. Roznickis Gruppe wird vorerst zurückgeworfen, sodass die hintere Gruppe vor dem Gebäude zurückbleibt. Drei Männer mit drei Schockpunkten. Zu diesem Zeitpunkt sieht die Moral unserer Streitkräfte wie folgt aus:

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So oder so, diese Phase würde entscheidend sein. Oberleutnant Heinrich Ankers Karte wird gezogen. Als er die Straße entlang zu seinen bedrängten Kameraden im Gebäude rennt, sieht er seine Chance. Mit erhobenem Säbel fällt er die verbliebenen polnischen Truppen in den Rücken!

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„Aha! Peng peng! Tüdelü!!“

…und läuft in drei Bajonette.

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„Arghh…“

Und das isses. Ein Sieg für das Herzogtum Warschau.

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Nachbetrachtung und Lehren

Was für ein schönes Spiel. Ich hatte zu Beginn etwas Pech, da einer meiner GrenzerAnführer sofort neutralisiert wurde (okay, ich war etwas übermütig mit ihnen) und der Status meines Kommandanten um eins reduziert wurde. Letzteres konnte ich jedoch teilweise ausgleichen, da ich vergessen hatte, zu berücksichtigen, dass sich seine Kommandoreichweite mit seinem Status verringerte, und zu einem bestimmten Zeitpunkt noch den 9ZollKommandoradius nutzte, obwohl es eigentlich nur 6 Zoll hätten sein dürfen. Ups.

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Mein Priester ist während des Spiels nie aufgetaucht; ich wollte ihn als Ass im Ärmel behalten, bis ich ihn brauchte. Na ja. Die Fahne hingegen war eine große Bereicherung für die polnischen Reihen. Letztendlich hatte Shandy einen Plan und ich nicht wirklich. Als Verteidiger ist das natürlich ein Luxus, und geht manchmal auf, dass man einfach reagiert. Aber empfehlenswert isses wohl nicht. 😀 

Das Spiel hat gut gezeigt, dass es selbst mit einem relativ einfachen Szenario wie diesem zu einem spannenden Spiel mit. Es hat auch gezeigt, dass ich mehr Straßen brauche und mich um mehr Kavallerie kümmern sollte. Nur damit ich mehr als das absolute Minimum an Truppen habe. Und dann muss ich noch eine Reihe von Unterstützungsauswahlen hinzufügen. Und ich sollte wirklich ein paar Magnete in die Einheitenbasen einbauen. Und vielleicht sollte ich mir einen Quick Reference Sheet zulegen. Als wir bei Shandy gespielt haben, haben wir immer seine eigenen QRS mit geänderten Reichweiten und einigen anderen Kleinigkeiten verwendet, sodass keiner von uns weiß, wo man was im Regelbuch findet. 😀 Oh, und ich muss etwas an meiner Beleuchtung am Spieltisch ändern. Denn die Situation ist finster.

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Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden und hoffe, dass ich dieses Jahr noch mehr Sharp Practice spielen kann. Vielen Dank an Cpt. Shandy, dass er dieses lange und hart umkämpfte Spiel mit mir gespielt hat. Und vielen Dank an euch fürs Lesen; ich hoffe, euch hat dieser erste Schlachtbericht des Jahres gefallen!

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